Beitrag vom 24.11.2011 (Quelle anpfiff.info)

Unterleiterbach plant zweigleisig

"Wir waren noch nie in so einer Situation"

von Bernd Riemke

Es war ein enormer Aderlass, den der FSV Unterleiterbach im vergangenen Sommer zu verkraften hatte. Einen, den das Team offensichtlich nicht entsprechend verkraften konnte. Zum Jahreswechsel stehen die Schwarz-Gelben mit dem Rücken zur Wand. Ein Trainerwechsel kommt für die Verantwortlichen jedoch nicht in Frage, wie 1. Vorsitzender Hans Brückner ausdrücklich bekräftigte.

Unter Trainer Rolf Radeck feierte der FSV Unterleiterbach im Jahr 2004 den größten Erfolg der inzwischen 58-jährigen Vereinsgeschichte. Als Meister der Kreisliga Bamberg stiegen die Schwarz-Gelben in die Bezirksliga Oberfranken/West auf und sind seither fester Bestandteil des Oberhauses. Die beste Platzierung erreicht wiederum Rolf Radeck während seiner zweiten Amtsperiode, als in der Saison 2007/08 ein überzeugender dritter Platz heraussprang.

Spielertrainer Marco Hornung genießt weiterhin das Vertrauen der Vorstandschaft. 


Fehlende Qualität

Die glorreichen Zeiten scheinen im Winter 2011 jedoch vorbei zu sein. Andre Gold, Daniel Horcher, Josef Lorber, Christopher Pfister und Dominik Schneider – fünf mitunter hochkarätige Abgänge musste der Vorjahressechste im Sommer verkraften. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Peter Linz kurzfristig nach Saisonende seinen Trainerstuhl zur Verfügung stellte. „Wir konnten auch in Sachen Spielverpflichtung darauf nicht mehr reagieren“, so 1. Vorsitzender Hans Brückner, der auf eine erste Halbserie zurückblickt, in der der FSV nur bis zum dritten Spieltag über dem ominösen Strich stand. Seit der 0:1-Derbyniederlage in Lichtenfels hat sich die Mannschaft auf dem vorletzten Platz festgesetzt. Der letzte Sieg datiert vom 25. September (2:0 gegen TSV Steinberg) und seither sprangen in neun Begegnungen gerade zwei magere Punkteteilungen heraus. „Die Spieler, die nachgerückt sind, haben die Qualität einfach nicht“, macht Brückner dem Team gar keinen Vorwurf, denn die Aufgabe, die Neu-Trainer Marco Hornung im Sommer übernahm, war alles andere als leicht. Gerade einmal 15 Akteure zählen zum festen Stamm der Bezirksliga-Mannschaft. Zu wenig, um leistungsfördernden Konkurrenzkampf voranzutreiben. So hapert es in beinahe allen Mannschaftsteilen. Christian Doppernas, der in der Vorsaison noch von vielen klugen Zuspielen in die Spitze profitierte, brachte es bislang nur auf drei eigene Treffer und auch in der Hintermannschaft klaffen große Lücken.

Eine Trainerdiskussion gibt es nicht

Die Misere am traditionell schwächsten Glied festzumachen, steht in Unterleiterbach jedoch nicht zur Debatte. „Marco Hornung macht seine Sache sehr gut, hält ein abwechslungsreiches Training ab und findet die passenden Worte in den Mannschaftssitzungen“, stellt Hans Brückner zwar auf der einen Seite fest, dass auch ein Trainer nach einer derartigen Niederlagenserie hinterfragt wird, spricht ihm aber auf der anderen Seite das unumstößliche Vertrauen bis Saisonende aus. Nicht zuletzt das eindeutige Credo aus Mannschaftskreisen pro Trainer gab den Ausschlag, die aufkommende Diskussion schnell wieder zu den Akten zu legen. „Wenn es nicht am Trainer liegt, brauchen wir ihn auch nicht wechseln“, bringt es der 1. Vorsitzende einfach auf den Punkt und fordert vielmehr von den Spielern, sich an die eigene Nase zu packen. Marco Hornung ist aus der Schusslinie, auch weil er sich intensiv um die 2. Mannschaft kümmert, ein Umstand, den man in Unterleiterbach von den Vorgängern des 38-jährigen Spielertrainers in dieser Form nicht gewohnt war. „Wenn man das nötige Spielermaterial nicht hat, kann man auch nicht mehr herausholen“, hofft Brückner dennoch, dass sich die Personaldecke in der Winterpause womöglich bessern wird. Das Bestreben, in allen Mannschaftsteilen nachzubessern und mindestens drei neue Spieler zu verpflichten ist in jedem Fall vorhanden. Konkrete Ergebnisse sind zum jetzigen Zeitpunkt freilich noch nicht vorzuweisen.

Ein Bild mit Symbolcharakter. Der FSV Unterleiterbach und Torjäger Christian Doppernas
liegen am Boden - die Schwarz-Gelben überwintern mit neun Zählern Rückstand auf dem
vorletzten Tabellenplatz.
 


Plan B in der Schublade

„Ob es uns letztlich gelingt, zwei bis drei Neue zu holen, steht auf einem ganz anderen Blatt“, weiß Hans Brückner auch, dass es zum Jahreswechsel nicht immer einfach ist, Spieler loszueisen. Und selbst dann, hat der FSV längst noch keine Garantie die Bürde von bis dato neun Zählern Rückstand in den noch ausstehenden elf Spielen aufholen zu können. Ganz zu schweigen davon, dass selbst bei einem Vorstoß auf einen der Ränge elf bis dreizehn noch eine weitere Relegation auf die Schwarz-Gelben warten würde. „Wir waren noch nie in solch einer Situation und betreten mit dem Abstiegskampf absolutes Neuland“, hat auch der Vorsitzende folglich kein Patentrezept in der Schublade, wie man dem drohenden Gang in die Kreisliga entkommen will. Ein Plan B liegt auf jeden Fall in der Schublade, denn in Unterleiterbach ist man nicht so blauäugig, die drohende Gefahr nicht zu erkennen. „Natürlich planen wir zweigleisig“, gibt Brückner unumwunden zu – auch mit der Gewissheit, dass – aufgrund der Vielzahl an Absteigern – eine bärenstarke Kreisliga 2012/13 auf die Konkurrenz wartet und ein dann angestrebter Wiederaufstieg sicher kein Selbstläufer werden würde. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird der FSV Unterleiterbach noch einmal alle zur Verfügung stehenden Kräfte mobilisieren, um den treuen Anhängern 2012/13 auch im neunten Jahr in Folge gutklassigen Bezirksliga-Fußball bieten zu können.